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zeichnet jährlich die besten neuen Gastronomiebetriebe aus.


Ein Drink an der Bar mit Steff la Cheffe

Schönheitsideale, Brustvergrösserungen und andere Klischees.

Steff la Cheffe heisst eigentlich Stefanie Peter. Die 24-jährige kommt aus Bern, ist Newcomerin 2009 und Vizeweltmeisterin im Beatboxing: eine Art groovige Mundperkussion. Sie mag nicht auf Äusserlichkeiten reduziert werden. Ein Gespräch über Abhängigkeit, Anmachsprüche und Dirty Talk.

Von Christian Nill (Text) und Mischa Scherrer (Fotos).

Christian Nill: Weshalb treffen wir uns gerade in «Adriano’s Bar & Caffé» mitten in Bern?
Steff la Cheffe: Das Adrianos ist halt zentral. Ich bin nicht wahnsinnig oft hier, weil ich keinen Kaffee trinke, ha! (lacht) Das Adrianos ja eine Kaffeebar. Aber auch eine gemütliche Beiz, direkt beim Zytglogge.

Nill: Sie treffen sich in einer Kaffeebar, weil sie zentral ist? Obwohl Sie keinen Kaffee trinken. Kennen Sie keine anderen Bars?
La Cheffe: Ich gehe nicht oft «eins ziehen». Meistens mache ich meine Interviews im Aarbergerhof. Eine eher ruhige Beiz beim Bahnhof. Ich bin auch gerne im Les Amis, in der Altstadt, oder daneben im Drei Eidgenossen.

Nill: Und in anderen Städten? Shanghai oder so? (Steffe la Cheffe war mit Andreas Vollenweider in Shanghai auf Tournee, Red.)
La Cheffe (lacht): Ich bin ja ab und zu in Zürich. Dort gibts bei der Hardbrücke eine sehr coole Beiz, wo man essen und trinken kann. Wie heisst die schon wieder?

Nill: Da hat es einige bei der Hardbrücke.
La Cheffe: Bei der Pfingstweidstrasse.

Nill: Das Les Halles!
La Cheffe: Les Halles, genau! Dort war ich oft. Weil das ist in der Nähe von Dodos Studio. (Dodo Jud, Steffs Produzent, Red.)

Nill: Was trinken Sie eigentlich da?
La Cheffe: Tee. Chai-Tee, das ist so ein Gewürztee.

Nill: Um Gottes Willen!
La Cheffe: Da sind viele wärmende Gewürze drin, die man auch von Weihnachten kennt: Nelke, Ingwer, Zimt, Kardamom...

Nill: Sind Sie jemand, der schnell friert?
La Cheffe: Ja sehr, sehr.

Nill: Sie sehen auch recht eingepackt aus. Trinken Sie auch mal etwas «Normales»?
La Cheffe: Ich trinke meistens Tee.

Nill: Echt?
La Cheffe: Tee und Wasser, sind so meine Favoriten.

Nill: Alkohol?
La Cheffe: Ja, Bier. Und zum Essen mag ich Rotwein. Wenn wir einen Gig haben, trinke ich vorher und nachher gern ein Bierli.

Nill: Drinks?
La Cheffe: Früher mochte ich Cuba Libre. Aber das ist mir irgendwie, es ist mir verleidet.

Nill: Wieso? 
La Cheffe: Ich war ein halbes Jahr in der Dominikanischen Republik, meine Tante besuchen. Und dort ist es das Standardgetränk: Cuba Libre und Santo Libre.

Nill: Sprechen Sie auch Spanisch?
La Cheffe: Ja, aber nicht perfekt. Umgangssprache. Ich kann mich durchschlagen.

Ein Kick in den A***

Nill: Sie wurden 2009 Vize-Weltmeisterin der Frauen im Beatboxing. Wie kam es dazu?
La Cheffe: Ich hatte bei den Schweizer Meisterschaften mitgemacht. Und dort bin ich seit drei Jahren die einzige Frau. Deshalb wurde ich automatisch qualifiziert, um die Frauen der Schweiz in Berlin zu vertreten bei den Weltmeisterschaften.

Nill: Das war also nicht so schwer.
La Cheffe: Nein. Aber  abgesehen davon bin ich von 25 Beatboxern in die Auswahl der besten acht gekommen. Also ich konnte schon ein bisschen mithalten mit den Jungs... Das Final war also an der «International Human Beatbox Convention» in Berlin. Das geilste an solchen Veranstaltungen: Da kommen Leute aus der ganzen Welt, die alle irgendwie  Freaks sind.

Nill: Sind Sie auch ein Freak?
La Cheffe: Klar! Und dann sieht man vor dem Hoteleingang Gruppen von Beatboxern, die in einem Kreis stehen und zusammen jamen. Das ist geil!

Nill: Und wie lief der Wettkampf ab?
La Cheffe: An einem Tag war die Vorausscheidung und am nächsten Tag die Endbattle. Ich hatte zuerst gar keine Ambitionen...

Nill: Weshalb??
La Cheffe: Weil ich mich nicht gut vorbereitet hatte. Ich bin eher Freestyle. Es gibt solche, die extrem gut darin sind, eine Show vorzubereiten. Die überlegen höllisch viel und üben. Und ich gehe einfach auf die Bühne und mache spontan was.

Nill: Das hat funktioniert.
La Cheffe: Genau. Und je weiter ich kam, desto grösser wurde der Wunsch, zu gewinnen.

Nill: Ihr Siegeszug wurde dann jäh von Bellatrix aus England gestoppt.
La Cheffe: Ja genau. In der letzten Runde gingen mir die Ideen aus. Und sie brachte noch einmal  neue Styles rein. Ich glaube, wenn ich mich richtig vorbereitet hätt, hätte ich eine Chancen gehabt. Aber easy. Ich meine, es ist einfach ein cooler Event.

Nill: Sagt man dann wenn man verloren hat...
La Cheffe (lacht): Keine Ahnung. Heute heissts eh, hey du bist Vizeweltmeisterin! Also egal.

Nill: Für die Kommunikation ist es ein lässiger Titel.
La Cheffe: Ja, für die Kommunikation ist es vor allem wichtig. Man kanns den Leuten sagen, und die finden dann: Doch, die ist schon gut, wenn sie Vizeweltmeisterin ist!

Nill: Sie erwähnten, dass Ihnen die Ideen ausgegangen sind. Auf dem Youtube-Clip des Finals merkt man das. Realisierten Sie das schon beim Batteln?
La Cheffe: Ja ja, noch während dem Performen!

Nill: War das denn unangenehm?
La Cheffe: Ja. (lacht)

Nill: Was haben Sie gedacht?
La Cheffe: Shit!... (lacht laut) Shit, ich hätte mich besser vorbereiten müssen!

Nill: Ist es ein Problem von Ihnen? Dieser Minimalismus?
La Cheffe: Ja, ich bin sehr spontan. Das spontane Improvisieren liegt mir. Da muss ich mich auch weniger streng vorbereiten als andere, die mit Improvisieren Mühe haben.

Nill: Das Los der Begabten. Würden Sie heute so einen Auftritt anders aufgleisen?
La Cheffe: Ja. Im nächsten März finden wieder Weltmeisterschaften statt. Ich könnte sofort mitmachen! Die nehmen jede Frau mit Handkuss, weil es so wenig Frauen gibt. Aber ich frage mich, wie lange ich das noch machen will. Ich beatboxe seit zehn Jahren. Bereits ist eine neue Generation dran. Und die sind echt krass drauf. Die sind saumässig gut!

Nill: Sie müssten sich also richtig gut vorbereiten.
La Cheffe: Ja. Aber ich habe es noch nie geschafft, mich wirklich seriös auf so etwas vorzubereiten. Ich habe Mühe damit, ich weiss auch nicht wieso.

Nill: Brauchen Sie jemanden, der Ihnen ab und zu einen Kick in den Hintern gibt?
La Cheffe: ...

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