Award
Best of Swiss Gastro - der einzige Publikumspreis in der Schweiz -
zeichnet jährlich die besten neuen Gastronomiebetriebe aus.
Ein Drink an der Bar mit René Schudel
Ein Berner Oberländer mit enormem Selbstbewusstsein.
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René Schudel (35) ist Restaurateur in Interlaken und TV-Koch mit eigener Sendung, der mittlerweile auch im ZDF auftritt. Der leidenschaftliche Miliz-Feuerwehrmann hat ein beeindruckendes Selbstvertrauen. Den Begriff Eventkoch mag er allerdings nicht. Dafür verrät er einige seiner spannenden Pläne.
Von Christian Nill (Text) und Mischa Scherrer (Fotos).
Bei der Begrüssung kommt das Gespräch sofort auf Schudels neustes Tattoo auf seinem rechten Unterarm: «Firefighters walk where Devils stand».
Christian Nill: Haben Sie dieses Tattoo schon lange?
René Schudel: Seit wenigen Wochen. Das habe ich zum zehnten 9/11-Jahrestag gemacht, für meine Feuerwehrkollegen in New York.
Nill: Kennen Sie Feuerwehrmänner, die bei den Terroranschlägen von 9/11 dabei waren und umgekommen sind?
Schudel: Nicht direkt. Aber ich bin ja selber auch Feuerwehrmann.
Nill: In einer Folge Ihrer Kochsendung «Funky Kitchen Club» waren Sie auch auf einem New Yorker Feuerwehrposten.
Schudel: Ich besuche meine Jungs drüben in New York jeden November. Dann koche ich immer bei ihnen auf der Wache.
Schudel setzt sich an die Bar, wo Fotograf Scherrer bereits eine Flasche Wein bestellt hat.
Nill: Warum treffen wir uns an dieser Bar?
Schudel: Wir sind an der Bar in der Markthalle im Viadukt in Zürich. Ich komme gerade von einem Food-Talk. Und ich muss sagen, das ist ein sehr schönes Konzept hier.
Nill: Was gefällt Ihnen daran?
Schudel: Dort, wo früher Gras wucherte und Container und kaputte Autos herumstanden, wurde jetzt ein Ort geschaffen, der die Nutzungsfläche sehr attraktiv gestaltet. Irgendwie ist es eine geschichtsträchtige Location.
Nill: Wieso?
Schudel: So ein Eisenbahnviadukt wird ja nicht einfach mal kurz aus dem Boden gestampft. Es ist sehr schick gemacht. Fast ein bisschen zu schick.
Nill: Was finden Sie zu schick?
Schudel: Es hätte etwas mehr den ursprünglichen Charakter behalten können.
Nill: Den gibts dann in zwei Jahrzehnten.
Schudel: Nicht falsch verstehen, ich finde es sehr cool. Einfach fast ein bisschen zu sehr herausgeputzt. Es könnte noch ein Tattoo-Studio brauchen... (lacht)
Zürich auf Augenhöhe mit New York
Nill: Da wir uns zufälligerweise in Zürich befinden und nicht in Interlaken, wo Sie Ihr Restaurant und Ihre Homebase haben, nimmt mich wunder, welche Lokale Sie hier mögen.
Schudel: Zürich ist für mich eine gastronomische Weltstadt. Eine Stadt, die absolut auf Augenhöhe mit New York ist. Halt einfach mit einem Quartier in New York City...
Nill: Das wird die städtische Tourismusbehörde gerne hören.
Schudel: Zürich ist multikulturell. Ausserdem ist man von der Stadt im Nu draussen in ländlichen oder sogar in den Berggebieten. Man hat hier eine hohe Dichte von sehr guten Restaurants und neuzeitlichen Konzepten.
Nill: Neuzeitlich?
Schudel: Zum Beispiel die Hiltl-Geschichte (das vegetarische Restaurant von Rolf Hiltl, Red.). Beeindruckend, wie Rolf das gemacht hat und nun vervielfältigen konnte in Form eines andern Konzepts.
Nill: Sie meinen das Tibits.
Schudel: Genau. Sehr persönlich und extrem städtisch.
Nill: Bei all dem Schwärmen: Wäre das für Sie ein Thema, nach Zürich zu expandieren?
Schudel: Nein. Nicht als Person. Als Konzept, ja. Zum Beispiel... (er überlegt) Schweinshals by René Schudel. (lacht) Da würde es dann alles vom Schweinshals geben. In der Art könnte ich es mir vorstellen. Aber als Person ganz klar nein. Allerdings: Sag niemals nie...
Nill: Heute trinken wir Wein, weil Fotograf Scherrer Lust auf eine Flasche hatte. Was trinken Sie sonst gerne in einer Bar?
Schudel: Gin Tonic. Es ist lustig: Gin Tonic boomt zurzeit extrem. Vor zehn Jahren kam Wodka in ähnlichem Masse auf. Ich habe immer gern Gin Tonic getrunken. Vor dem Essen ist er appetitanregend, danach sehr erfrischend und pushend. Ich sage Ja zu Gin Tonic. (lacht)
Nill: Es dauerte ca. drei Monate, bis Sie einen freien Termin fanden für dieses Gespräch. Sind Sie immer ausgebucht?
Schudel: Mein Restaurant (das «benacus» in Interlaken, Red.) ist meine Referenz für alles. Ich möchte es auf keinen Fall schwächen. Ich bewege mich um die Bedürfnisse meine Restaurants herum. Daher kommen als freie Termine nur Sonntag und Montag infrage, wenn wir geschlossen haben. Mein Restaurant nimmt sehr viel Terminraum in Anspruch. Aber da lasse ich nichts dazwischen kommen.
Steile Karriere in von fünf Jahren
Nill: Wir kennen uns seit 2006, als sie den Newcomer-Award beim Best of Swiss Gastro (grosser Publikums-Restaurantwettbewerb, Red.) gewannen. Seither ist bei Ihnen sehr viel gegangen, u.a. sind Sie berühmt geworden. Wie nehmen Sie diese Zeit wahr?
Schudel: Ehrlich gesagt, ich weiss es nicht. (Pause) Ich bekomme den Zeitenwechsel nicht mehr mit. Was ist jetzt? Sommer, Winter? Wenn du oft in andere Länder reist, 80'000 Kilometer pro Jahr im Auto zurücklegst wie ich, dann hast du ein verzerrtes Zeitgefühl.
Nill: Sie hatten dieses Jahr drei Auftritte in Deutschland in der Sendung Küchenschlacht des ZDF. Wie kamen Sie dazu?
Schudel: Eine Agentur, die für uns arbeitet, hat beim ZDF angefragt. Wir haben einen Probelauf gemacht und dann hiess es vom ZDF, ja, das machen wir.
Nill: Gehts da um viel Geld?
Schudel: Es ist finanziell unattraktiv, als Nobody im deutschen Markt in einer TV-Sendung aufzutreten. Natürlich, der Flug wird bezahlt, man kann seine Partnerin mitnehmen, sie bezahlen dir ein mittelmässiges, aber cooles Hotel. Der Support vor Ort ist super mit Limousine und so. Aber wie gesagt, finanziell unspektakulär.
Nill: Warum tun Sie es dann?
Schudel: Wegen der Plattform, die man bekommt. Nachmittags um zwei Uhr sehen dich eineinhalb Millionen Menschen! Das ist enorm.
Nill: Hat es Ihnen etwas gebracht?
Schudel: Nein, weil dir fernsehmachen erst etwas bringt, wenn du konsequent hohe Einschaltquoten hast. Erfolg im TV ist nicht wie bei Musicstar, wo du auf Peaks kommst von vielleicht 800'000 Zuschauern, und nach kurzer Zeit ist der Hype wieder vorbei.
Nill: Musicstar hatte Peaks über einer Million. Und 800'000 Zuschauer ist für Schweizer Verhältnisse sehr viel.
Schudel: Ja, aber es ist immer nur kurzfristig. Erfolg ist, wenn du konstant deine 100'000 Zuschauer hast.
Nill: Lassen Sie mich raten: So wie Sie beim Funky Kitchen Club?
Schudel: Beim Funky Kitchen Club haben wir 100'000 Zuschauer ¬– bei einer Zwölfminutensendung. Konstant. Mal vielleicht etwas weniger, dann mal wieder etwas mehr. Und das seit vier Jahren! Das ist Erfolg im Fernsehen in der Schweiz.
Nill: Gratuliere.
Schudel: Danke. Fernsehen ist Ausdauersport, nicht Kraftsport. Medienarbeit genauso. Vor allem in der heutigen Zeit mit all den vielen Medienkanälen. Ausdauernde Präsenz ist das, was den Erfolg ausmacht.
Die 5. Staffel ist bereits geplant
Nill: Macht Ihnen das auch noch Spass?
Schudel: Ich würde es nicht machen, wenn es nicht so wäre. Definitiv nicht.
Nill: Noch eine Geldfrage: Wie lukrativ ist der Funky Kitchen Club für Sie?
Schudel: Der Funky Kitchen Club ist gemessen am Aufwand nicht lukrativ. Er kostet mich aber auch nichts. Was lukrativer ist, sind die Nebengeschäfte, die damit einhergehen. Und meine Lebenskosten sind tief im Moment. Ich habe einen guten Kleidersponsor, ich habe einen guten Fahrzeugsponsor, ich habe einen guten Uhrensponsor. Aber ich verdiene keinen Bankerlohn, das sicher nicht.
Nill: Sie haben dieses Jahr die 100. Funky-Kitchen-Club-Sendung gefeiert. Seit vier Jahren sind Sie on air. Wie lange machen Sie die Sendung noch?
Schudel: Wir sind in der vierten Staffel und haben jetzt 103 Sendungen abgedreht. Das macht mich richtig stolz! In Anbetracht des Budgets, das uns zur Verfügung steht. Jetzt drehen wir erst einmal die vierte Staffel zu Ende.
Nill: Gut, und dann? Gibt es eine fünfte?
Schudel: Ja, das ist mein Ziel. Als wir anfingen vor vier Jahren, sagten wir, wir versuchen drei Mal auf Sendung zu gehen. Aus diesen drei Folgen wurde eine einjährige Staffel. Da sagten wir, ok, lass es uns zwei weitere Jahre versuchen. Es ging immer weiter. Bei der jetzigen Staffel war das Thema der alpine Raum, von Nizza bis Wien.
Nill: Was soll das Thema der fünften Staffel sein?
Schudel: Funky Kitchen Club goes international! Wir wollen zum Beispiel in Übersee Auslandschweizer besuchen. Bis jetzt haben alle unsere Ideen funktioniert.
Nill: Wann wird entschieden, ob die nächste Staffel gedreht wird? Und wann soll Sie starten?
Schudel: Vermutlich würde sie im Januar 2012 starten. Es ist im Privatfernsehen halt sponsorenabhängig. Zufälligerweise kommt ja Ende Jahr mein Kochbuch raus, zu Weihnachten.
Nill: So ein Zufall.
Schudel (lacht): Da freue ich mich richtig drauf, das wird grossartig.
Nill: Sie dürfen erzählen.
Schudel: Das Buch wird eine Art Geschichtenbüchlein sein im Taschenbuchformat. Für unter 40 Franken. Erwerblich also. Es sind keine spektakulären, Selbstverwirklichungs-Hochglanzprospektbilder drin, sondern nur Kamerabilder, die wir aus den TV-Sendungen rausnehmen.
Nill: Zum Geld Sparen.
Schudel: Zum Geld Sparen. Und weil wir faule Hunde sind... Nein, im Ernst, weil wir einfach 21 Geschichten aus dem Funky Kitchen Club noch einmal erzählen wollen, auf zehn Seiten. Inklusive Zusatzrezepte.
Nill: Quasi wie ein Best-of-Michael-Jackson-Album mit einem neuen Song, so dass man es sich einfach kaufen muss...
Schudel. Genau.
Nill: Um das kurz zusammenzufassen: Sie bringen ein zehnseitiges Buch raus mit aufgewärmten TV-Sendungsrezepten...
Schudel: Stopp, es gibt über 350 Seiten!
Nill: Eben sagten Sie noch zehn Seiten.
Schudel: Ja, pro Geschichte!
Nill: Ach so. Ich dachte schon, 30 Franken für ein zehnseitiges Büchlein, nicht schlecht.
Schudel: Das wäre ein guter Ansatz. (lacht)
Sauerkraut mit Thai Curry à la Schudel
Nill: Ok. Dort gibt es als Mehrwert einige neue Rezepte, der Rest stammt aus Ihren Sendungen.
Schudel: Alle Rezepte stammen aus den Sendungen.
Nill: Und was ist neu?
Schudel: Nichts, ausser das Buch an sich. Jeder Koch sagt, irgendwann im Leben mache ich ein Kochbuch. Dann beginnt er und merkt, wie aufwendig das ist! Erst denkt er, er mache einen Bestseller, jeder Koch hat das Gefühl, er mache einen Bestseller. Weil jeder Koch das Gefühl hat, die Welt warte auf ihn.
Nill: Beeindruckend, wie sie wissen, was jeder Koch denkt und fühlt.
Schudel: Ich bin ja selber Koch. Seit 19 Jahren.
Nill: Also können Sie auch von sich auf andere schliessen?
Schudel: Sie sind der Journalist. Sagen Sie es mir. (lacht)
Nill: Hm.
Schudel: Gut, es ist natürlich überspitzt gesagt. Normalerweise sind Kochbücher so produziert, dass die Foodbilder sehr gestylt daherkommen, jedes Kräutchen muss glänzen.
Nill: Nichts für Sie.
Schudel: Ich bin total anders. Ich sage, ich mache ein Taschenbuch! Hinten im Buch gibts Einkaufslisten, die man herausreissen kann. Es wird ein Arbeitsbuch sein. Das Problem bei sehr gestylten Kochbüchern ist ja, dass man wunderbare Bilder des Endergebnisses hat, so wie das Rezept dann auf dem Teller aussieht. Dann kochst du es nach, aber es wird nie so sein wie auf den Hochglanzbildern. Dann denkst du, dein Ergebnis sei nicht gut.
Nill: Also lieber unscharfe Screenshots vom Fernsehen nehmen...
Schudel: Nicht unscharfe Screenshots, sondern ehrliche. Nachvollziehbare Screenshots.
Nill: An wen richtet sich Ihr Kochbuch?
Schudel: Es ist für jeden, der Plausch hat, mal entspannt etwas zu kochen. Es ist keine Bibel, sondern einfach ein Arbeitsgerät, das, so finde ich, in jede Küche gehört.
Nill: Natürlich, Sie möchten ja auch einige Exemplare davon verkaufen.
Schudel. Ich finde, es gibt grösseren Mist in einer Küche als Kochbücher. Meins passt in jede Schublade. Man kann es in den Camper mitnehmen. Man kann drei kaufen, eins für den Camper, eins für zu Hause und eins fürs Ferienhaus?
Nill: Interessantes Zielpublikum.
Schudel: Mein Kochbuch ist ein Arbeitsgegenstand, den man aufschlagen, herumbiegen und brauchen kann.
Nill: Sind dann da auch schräge Sachen wie Sauerkraut mit Thai-Curry drin?
Schudel: Genau. Diese Geschichte ist auch drin.
Nill: Ein schräges Rezept.
Schudel: Ein geiles Rezept!
Kein Sex vor der Hochzeit (oder so)
Nill: Wie sind Sie drauf gekommen?
Schudel: Das sind meistens Unfälle. Aber: Asiatisch funktioniert gut mit der Herbstzeit. Asiatisch passt grundsätzlich gut zu Wild. Ich mache ja jetzt... Darf ich kurz das Mikrofon zuhalten?
Nill: Soll ich es abschalten? Wird’s jetzt geheimnisvoll?
Schudel: Nein, nein... Also, ich mache jetzt etwas Neues: Ich mache erstmals ein indisches Curry – anstatt mit Lammfleisch mit Gamspfeffer! Das wird richtig geil...
Nill: Und wie machen Sie die Beize?
Schudel: Gamsschulter auslösen und in indischen Zutaten marinieren. Die Idee dahinter ist die, dass die indisch-asiatische Küche sehr viel mit Wild zu tun hat. Ente zum Beispiel. Oder Lammfleisch, das viele Eigenschaften hat, die in den Bereich Wild gehen: Berggänger, in abgelegenen Gebieten lebend, Wind und Wetter ausgesetzt.
Nill: Jetzt sind wir bei Ihrem Kochbuch gelandet, dabei wollte ich Ihnen noch eine Frage zu Ihrem Fernsehengagement stellen. Ich habe schon erlebt, wie Sie auf der Strasse von Teenagern erkannt und angesprochen wurden. Sie sind ein Star. Wie ist das für Sie?
Schudel: Es macht mich kaputt. Sie wollen nur meinen Körper. Damit kann ich nicht umgehen.
Allgemeines Gelächter.
Schudel: Nein, es ist so: So was tut sicher gut. Ich geniesse es innerlich. Es war ein tolles Gefühl. Das findet jeder cool. Wer etwas Anderes behauptet, lügt. Aber: Es passiert mir nur selten.
Nill: Nutzen Sie Ihre Popularität denn auch mal aus?
Schudel: Bei den 22-jährigen. Die noch nicht ganz parat sind... Dort setze ich zum Schluss noch kurz den Promibonus ein, offeriere noch zwei Drinks und dann... (lacht)
Nill: Und dann?
Schudel: Nein, natürlich nicht! Wozu sollte ich es ausnützen? Ich bin happy.
Nill: Für Sex?
Schudel: Nicht vor der Hochzeit. (lacht)
Nill: Stehen Sie eigentlich auf Frauen oder Männer?
Schudel: (Pause) Mir reichen 36,5 Grad Körpertemperatur.
Nill: Über Ihr Beziehungsleben ist wenig bekannt.
Schudel. Richtig. Will ich auch nicht anders.
Nill: Ich glaube, ich habe nie irgendetwas darüber gelesen oder gehört.
Schudel: Es ist so: Ich bin ein sehr umgänglicher Mensch und von mir kann man fast alles haben. Aber bei der Wohnungsschwelle, wo mein Hund, meine Familie, meine Partnerin lebt, dort ist Schluss. Ich werde auch richtig grantig, wenn da herumgewühlt wird.
Nill: Also, zurück zum Herd, ehe ich gelyncht werde. Ivo Adam hat das Kochen in der Schweiz für ein junges Publikum populär gemacht. Was haben Sie für ein Verhältnis zueinander?
Schudel: Ich finde Ivo Adam einen superlässigen Typen.
Nill: Kennen Sie sich?
Schudel: Ja, klar. Ivo bekommt von mir den grössten Respekt, weil er wirklich der allererste war, der das Kochen in der Schweiz sexy gemacht hat.
Die Eventkoch-Frage
Nill: Also eine Art Eventkoch, der Kochen zum Event gemacht hat?
Schudel: Nein, er hatte lange vor mir Medienpräsenz und begriffen, dass...
Nill: Ich meinte damit, dass ein Ivo Adam den Eventkoch populär gemacht hat.
Schudel: Er präsentiert eine schöne Gastronomie, macht schöne Geschichten, hat eine gute Location. Er hat in Ascona ein Imperium aufgebaut. Das finde ich grossartig.
Nill: Gibt es aus Ihrer Sicht weitere Mitspieler in diesem Eventkoch-Bereich?
Schudel: Was ist ein Eventkoch-Bereich?
Nill: Der Bereich, in dem sich Köche bewegen, denen es nicht primär ums Kochen geht, sondern um die Show nach aussen. Um die Präsentation, um Image-Pflege und den Aufbau einer Personenmarke. Die Marke Ivo Adam, die Marke René Schudel etc.
Schudel: Ich möchte mich da sehr stark ausklammern. Ich bin kein solcher Koch.
Nill: Man sieht Sie in Fernseh-Shows, Sie haben zig Sponsoren, die Sie finanzieren, Sie werben für Aldi...
Schudel: Lidl.
Nill: Pardon, Lidl – das bedeutet, Sie setzen andere Prioritäten als zum Beispiel ein Heiko Nieder (Starkoch im The Restaurant, Dolder Grand, Red.). Das ist dann der Gourmetkoch.
Schudel: Wer ist Heiko Nieder?
Nill: Man kennt ihn, oder man kennt ihn nicht.
Schudel: Eben. Deshalb habe ich vier Sponsoren.
Nill: Eben. Das meine ich mit Eventkoch. Von diesem Unterschied spreche ich. Sie setzen andere Prioritäten.
Schudel: Schau, ich bin kein Eventkoch. Das Problem ist, dass viele Leute unterschätzen, dass ich ein pickelharter Oberländer bin. ... (einige Aussagen an dieser Stelle wurden nachträglich gestrichen, Red)
Schudel demonstriert an dieser Stelle verbal und visuell das eindrückliche Potenzial seines Selbstbewusstseins; die Passage wurde leider wieder gestrichen.
Nill: Das heisst, ich bekomme nun eins an die Ohren?
Schudel: Nein, nein. (lacht) Das heisst lediglich, dass ich nie zu Boden gehe. Für mich ist alles eine Herausforderung. Ich arbeite 200 Prozent. Ich behaupte nicht bloss in den Medien, dass ich 16 Stunden pro Tag arbeite. Ich arbeite tatsächlich 200 Prozent. Ich arbeite in meinem Restaurant als voller Koch. Muss ich, sonst würde es wirtschaftlich nicht funktionieren. Ich habe eine Stelle als Küchenchef in meiner Küche. Ich leite meine Crew, konzipiere die Menükarten. Daneben mache ich eine TV-Show und befriedige Sponsorenbedürfnisse.
Nill: Worauf wollen Sie hinaus?
Schudel: Die Drehs für Werbung finden z.B. nur an einem Montag statt. Man kann gerne mal eine Woche bei mir mitlaufen.
Nill: Nicht nötig, danke.
Schudel: Ich sage nur – von wegen Eventkoch. Mein Restaurant ist mir heilig. Das ist für jedermann zugänglich. Jeder kann sich dort selber von meiner Arbeit überzeugen.
Nill: Jetzt kommen Sie in Fahrt.
Schudel: Ich weiss, was ich kann und was ich nicht kann. Ausserdem kann ich in meiner Position nicht ignorant sein und sagen, das und das mache ich jetzt nicht.
Nill: Irgendwie hat Sie das mit dem Eventkoch jetzt gefuchst, oder?
Schudel: Es ist einfach so, dass die Leute nicht dahinter sehen, was es braucht. Das ist auch bei Ivo Adam die gleiche Situation. Man zeigt immer auf ihn, bloss weil er seinen Job gut macht. Natürlich macht er Events. Das zeigt man. Was er sonst den ganzen Tag macht, zeigt man nicht.
Politik? Nein danke.
Nill: Bei so viel Engagement stellt sich mir die Frage, ob Sie sich auch politisch engagieren. Interessiert Sie Politik?
Schudel: Nein.
Nill: Wieso?
Schudel: Mich interessiert Politik dann, wenn ich sie verstehe. Aber es ist unverständlich.
Nill: Was ist unverständlich?
Schudel: Die ganzen Geschichten, die die Politiker machen, die Diskussionen. All diese Debatten und dieses Hinundher.
Nill: Am 23. Oktober finden National- und Ständeratswahlen statt. Wählen Sie?
Schudel: Der 23. Oktober ist noch recht weit weg. (lacht)
Nill: Es geht. Für wen stimmen Sie?
Schudel: Da habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.
Nill: Sie haben doch bestimmt die eine oder andere Partei, mit der Sie sympathisieren?
Schudel: Nein, habe ich nicht. Es gibt so viele... Einerseits schützt die SVP ganz wichtige Werte in der Schweiz. Aber dann hat es auch wieder zu viele Extreme in der Partei. Und die Gegenparteien haben auch... Es ist schwierig.
Nill: Lassen Sie mich eine einfache Frage stellen. Sind Sie für oder gegen den Beitritt der Schweiz in die EU?
Schudel: Ich bin dagegen.
Nill: Gegen den Beitritt.
Schudel: Ich bin dagegen, weil diese ganze Misere, wo wir jetzt drin stecken, das hat mit dem Euro angefangen. Ich bin einfach ein Gefühlsmensch.
Ein Frage-Antwortspiel zum Schluss
Nill: Lassen wir die Politik sein. Ich gebe Ihnen abschliessend noch einige Stichworte und Sie sagen mir, was Ihnen dazu einfällt. René Redzepi.
Schudel: Was?
Nill: René Redzepi.
Schudel: René wer?
Nill: R-E-D-Z-E-P-I.
Schudel: Keine Ahnung.
Nill: Noma.
Schudel: Das ist ein Restaurant.
Nill: Kennen Sie es?
Schudel: Ja.
Nill: Es ist in Dänemark. Es gilt als weltbestes Restaurant. René Redzepi ist der Chefkoch.
Schudel: Noma, das kenne ich. Das ist immer noch die Nummer eins.
Nill: Was gehört zwingend in eine Sauce Bernaise?
Schudel: Butter, Essig, Schalotten, Weisswein, Ei.
Nill: Noch etwas.
Schudel: Äh, Dings. Estragon.
Nill: Merci. Sous-vide.
Schudel: Das ist Niedergaren. Bei niederen Temperaturen etwas im eigenen Saft schmoren.
Nill: Eine Kochmethode, die Sie ebenfalls anwenden?
Schudel: Ja, gewisse Geflügelsachen machen wir sous-vide. Stücke, die anfällig sind, trocken zu werden.
Nill: Bondage.
Schudel: Es wäre mal wieder Zeit.
Nill: Gault-Millau.
Schudel: Politik. (lacht)
Nill: Aha.
Schudel: Gault-Millau ist sicher der Höhenmesser der Gastronomie.
Nill: Sie haben 13 Punkte.
Schudel: Noch, ja. Die nehmen Sie mir jetzt dann wahrscheinlich weg.
Nill: Würde Sie das stören?
Schudel: Nein. Aber ist ist schön, wenn man die Punkte hat. (Das Restaurant Benacus ist im neuen Gault-Millau-Führer 2012 tatsächlich nicht mehr aufgeführt; einen Grund dafür konnte Schudel gegenüber der Jungfrau-Zeitung nicht nennen, Red.)
Nill: Ladder 49.
Schudel: Das ist ein Film mit John Travolta über eine Feuerwehrkompanie.
Nill: Gefällt er Ihnen als Kompanieleiter in der freiwilligen Feuerwehr?
Schudel: Er ist eindrücklich, ja. Und gut gemacht.
Nill: René Schudel, herzlichen Dank für dieses Gespräch.
Schudel: Bitte sehr.
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René Schudel über den Best of Swiss Gastro
2006 gewann René Schudel einen «Best of Swiss Gastro Award» als Newcomer. Danach ging es mit seiner Karriere richtig ab. Der Best of Swiss Gastro wurde von Andreas Krumes und Georg Twerenbold gegründet und ist ein Publikumswettbewerb, bei dem die spannendsten und neusten Konzepte der Schweizer Gastroszene bewertet werden. Die Veranstalter sagen, dass er der grösste seiner Art weltweit sei.
René Schudel: Ich finde es grundsätzlich immer gut, wenn Leute etwas auf die Beine stellen und machen. Der Best of Swiss Gastro als Preis ist ein gutes Konzept. Das hat Hand und Fuss. Dieser Wettbewerb setzt sich wirklich für die Sache ein. Was die immer für Beizen herausfiltern, das ist gigantisch! Ich finde, jetzt wäre es an der Zeit, dass die auch endlich mal eine Live-Sendung im Fernsehen bekommen. Das hat er verdient. Das Fernsehen überträgt doch sonst jeden Contest. Aber das, was unsere Schweiz als Tourismusland verkörpert, diese einzigartige Branche, das zeigt das Fernsehen nicht. Der Best of Swiss Gastro muss mehr Bedeutung bekommen, in dem er öffentlicher wird.
