Award
Best of Swiss Gastro - der einzige Publikumspreis in der Schweiz -
zeichnet jährlich die besten neuen Gastronomiebetriebe aus.
Ein Drink an der Bar mit Eliana Burki
Sie ist eine Swiss Lady.
Eliana Burki? Das ist die mit dem Alphorn. Das ist aber auch die Solothurnerin, die ein Instrument erfindet, eine Atemtherapie für eine Kinderklinik entwickelt und die ganze Welt bereist. Ein Gespräch über Traditionalisten, teuflische Töne und Kurt Aeschbachers sexuelle Anspielungen.
Von Christian Nill (Text) und Mischa Scherrer (Fotos).
Christian Nill: Frau Burki, eigentlich wollte ich ja den Schweizer Schauspieler und Musiker Carlos Leal treffen, der im James-Bond-Film Casino Royal mitgespielt hat.
Eliana Burki: Aha.
Nill: Dann sagte die Agentin, die auch Ihre Agentin ist, das gehe gerade nicht, aber sie hätte da noch Eliana Burki im Angebot.
Burki: Schön. Ich weiss, dass Carlos in derselben Agentur ist wie ich.
Nill: Sie kennen sich?
Burki: Ja. Ich bin oft in Los Angeles. Da war ich mal zu einer Party eingeladen, und der erste, der mir über den Weg lief, war Carlos. Er wusste, wer ich bin.
Nill: Dann wär das ja geklärt. Wir befinden uns in der Bar des Hotel Storchen in Zürich. Weshalb haben Sie sich diesen Ort ausgesucht?
Burki: Ich bin oft im Niederdörfli, weil meine Tante hier eine Wohnung hat. Wenn ich in Zürich bin, dann am ehesten in der Niederdörfligegend. Ich bin keine Zürich-Insiderin. Wir hätten uns auch im Rimini treffen können.
Nill: Jetzt sind wir im Storchen. Weshalb?
Burki: Es liegt gerade auf dem Weg. Und ich finde, das ist eine schöne Gasse hier. Wenn es schön ist, bin ich oft hier. Draussen vor der Bar, direkt an der Limmat.
Nill: Wo gehen Sie sonst gerne hin?
Burki: Ich bin gerne an kleineren Orten. Solothurn halt: sehr schöne Altstadt, kleine Beizchen – da gibt es ganz viele Örtchen.
Nill: Zum Beispiel?
Burki: Das Restaurant Kreuz ist eine gute Beiz. Dort isst man sehr gut, und oben finden regelmässig Konzerte statt mit coolen Bands.
Nill: Dann gibts noch das Baseltor.
Burki: Ja, das ist auch sehr bekannt. Und Solheure ist auch ganz gut.
Nill: Soleur? Wie Solothurn auf Französisch?
Burki: Fas: Solheure.
Nill: Ein Wortspiel.
Burki: Genau. Aber eigentlich bin ich eh nicht so der Typ Partygänger. Das ist nicht mein Ding. Ich gehe gern käfelen.
Nill: Wenn Sie kein Konzert geben, bleiben Sie abends zu Hause und schauen fern?
Burki: Nein, fernsehen gar nicht..
Nill: Um Himmels Willen!
Burki: Ich habe keinen Fernseher.
Nill: Warum nicht?
Burki: Weil ich immer andere Sachen zu tun habe. Und wenn ich wirklich Zeit habe, dann nähe ich etwas. Oder ich mache Schmuck oder bastle sonst etwas.
Nill (zeigt auf ihre Ohrringe): Selbst gemacht?
Burki: Ja, ich mache gerne etwas für mich. Ein Fernseher wäre dann wie eine Faust aufs Auge. Wenn, dann schaue ich gerne bewusst einen Film.
Nill: Also gehen Sie ins Kino.
Burki: Kino finde ich super. Oder DVD bei Freunden. Gemütlich, das mag ich.
Nill: Wenn Sie mal im Ausgang sind, wie reagieren die Männer auf Sie?
Burki: Eher zurückhaltend. Aber zur Teenagerzeit war das anders. Alphorn spielen galt als extrem uncool! Ich musste mir ständig blöde Bemerkungen anhören...
Nill: Auf diese plumpen Anmachsprüche komme ich zurück. Auch Kurt Aeschbacher griff in eine ziemlich tiefe Schublade, als Sie bei ihm in der Sendung waren.
Burki: Oh ja...
Nill: Sprechen wir erst über Ihre Musik.
Burki: Gerne.
Nill: Sie haben seit kurzem eine neue CD auf dem Markt: «Travellin’ Root», also so in etwa «reisende Wurzeln». Was hats damit auf sich?
Burki: Es ist eine musikalische Weltreise. Man kann in arabische, indische und andere Länder eintauchen. Das Werk entstand in den letzten zwei Jahren gemeinsam mit meiner Band «i Alpinisti». Wir haben alles selber geschrieben und komponiert.
Nill: Produziert haben Sie diese Scheibe teilweise auch in Los Angeles.
Burki: Ja, die eine Hälfte in Winterthur, die andere in den Staaten. In L.A. haben wir sämtliche Sachen von mir aufgenommen.
Nill: Also die Sachen, wo Sie Alphorn blasen...
Burki: ...und singe. Ausserdem spiele ich auch mein neues Horn.
Nill: Was für ein Horn?
Burki: Das Burkihorn.
Nill: Das Burkihorn, nicht schlecht.
Burki: Ja, da habe ich auch ein Buch drüber geschrieben. Das neue Horn habe ich auch in Amerika entwickelt. Es ist ein chromatisches Alphorn: Zuoberst auf das Horn kommt ein Aufsatz, mit dem ich chromatisch spielen kann.
Nill: Also alle Töne.
Burki: Na ja...
Nill: …doch nicht alle?
Burki: Doch, eigentlich schon. Auf dem Burkihorn gibts immer noch die Naturtöne, die den Charakter eines Alphorns ausmachen. Sprich: Es gibt auch noch das Alphorn-Fa, das halt nicht ganz rein klingt.
Nill: Das ominöse Fis!
Burki: Ja genau. Es gibt viele, die es als ominös bezeichnen. Aber ich finde, der Ton hat Charme, wenn man ihn spielt.
Nill: In traditionellen Kreisen ist das Alphorn-Fa umstritten. Das ist ein Ton, den man eigentlich nicht spielen darf.
Burki: Ja, der Ton ist sehr verpönt. Wenn du an ein Alphornfestival gehst, hast du einen Haufen traditionelle Regeln: Du musst eine Tracht tragen, darfst nur sechs Töne spielen, darfst das Alphorn…
Nill: Nur sechs Töne!?
Burki: Ja, so lauten die Regeln.
Nill: Hoppla.
Burki (lacht): Ja. Man darf wie gesagt das Alphorn-Fa nicht spielen; man darf keine schnellen Melodien spielen... Eine ganze Liste.
Nill: Dann ist man des Teufels, wenn man sich wie Sie nicht an diese Regeln hält.
Burki: Ja. (lacht) Da habe ich mich schon lange daran gewöhnt.
Nill: Und ich nehme an, die Traditionalisten haben sich mittlerweile auch an Sie gewöhnt.
Burki: Die akzeptieren mich inzwischen. Die haben gemerkt, dass ich aus Leidenschaft musiziere. Ich wollte bereits mit sechs Alphorn spielen. Einfach so, weil es mich gepackt hat. Es war keine Agentur, die es als Marketing-Gag brauchen wollte.
Nill: Sie sagten, dass Sie ein Buch über Ihr Burkihorn schreiben. Wann erscheint es?
Burki: Das Burkihorn-Buch kommt 2012 heraus.
Nill: Was ist Ihr Ziel mit diesem Buch?
Burki: Erstens, dass ich endlich ein Buch für meine Workshops habe. Das Buch schafft eine Brücke zwischen Alphorn und Burkihorn. Wir werden eine CD beilegen und es gibt Übungen, Improvisationen und Stücke, die ich geschrieben habe.
Nill: Nicht gerade bescheiden, dieser Name: Burkihorn.
Burki: Nein, schon nicht. Aber es hat sich einfach so ergeben.
Nill: Erinnert an das Saxofon von Adolphe Sax. (http://de.wikipedia.org/wiki/Adolphe_Sax).
Burki: Kann sein. Aber Burkihorn tönt doch gut!
Nill: Lassen Sie uns zum Blas-Spruch von Kurt Aeschbacher kommen.
Burki: ...
Was Eliana Burki zum Thema «blasen» auch noch zu sagen hat, lesen Sie im ganzen Gespräch auf Bar-Storys.ch (http://bar-storys.ch)
