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Ein Drink an der Bar mit Christian Levrat

Selbstfindung mit Heavy Metall.

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Christian Levrat ist Parteipräsident der SP Schweiz. Der Umverteilungs-Hardliner kommt aus einer Gewerblerfamilie. Verständnis hat er für Kritik an einer alles reglementierenden Kultur der politischen Korrektheit.

von Christian Nill (Text) und Mischa Scherrer (Fotos)

Wir befinden uns im Bundeshaus in Bern. Es ist Ende September. Christian Levrat lässt auf sich warten, da im Nationalratssaal gerade debattiert wird. Schliesslich erscheint er, gut gelaunt, und bestellt ein Cola.

Christian Nill: Herr Levrat, weshalb treffen wir uns gerade hier?
Christian Levrat: Da wir gerade Session haben, habe ich leider keine Zeit, Sie draussen in einer Bar zu treffen. Deshalb sind wir hier im Café Vallotton. Das ist die historische Bar des Parlaments. Vor vier Jahren wurde sie renoviert, jetzt ist sie modern und angenehm. Zuvor sah es hier aus wie in der Küche meiner Grossmutter.

Nill: Sind Sie oft hier?
Levrat: Ja. Hier treffen sich die Parlamentarier und unterhalten sich.

Nill: Sie haben eben ein Cola bestellt. Was trinken Sie sonst in einer Bar?
Levrat: Am Feierabend meistens ein Bier. Es wäre allerdings etwas früh, jetzt schon Feierabend zu machen, in Zeiten von Wahlkampf und Session. (Es ist 17 Uhr, Red.)

Nill: Wir wollten uns schon zweimal zuvor auf einen Drink treffen. Ich musste Ihnen zweimal wieder absagen. Noch böse?
Levrat: Ach was.

Nill: Glück gehabt. Für die ersten beiden geplanten Treffen schlugen Sie ein Pub in der Berner Altstadt vor.
Levrat: Ja, das ist ein klassischer irischer Pub. Es ist der einzige Ort in Bern, wo ich sicher bin, keine Politiker anzutreffen. (lacht)

Nill: Weil sich der Pub im Haus der Jungsozialisten befindet?
Levrat: Nein. Und dort hat auch die SP ihren Sitz hat.


Levrat, ein harter Rocker?

Nill: Sind Sie oft in diesem Pub?
Levrat: Unterschiedlich. Und im SP-Sekretariat erschrecken sie jedes Mal, wenn ich sage, dass ich ins Pub gehe. Es hat nicht den besten Ruf in Bern.

Nill: Das zieht Sie an.
Levrat: Ich finde dieses Lokal einfach superangenehm. Die Leute lassen mich in Ruhe. Die Musik ist gut und sie haben Guiness.

Nill: Welche Musik wird gespielt?
Levrat: Meistens Rock, Heavy Metall.

Nill: Das ist Ihre Musik: Heavy Metall?
Levrat (lacht): Nein, aber das ist eine gute Abwechslung. Hier im Parlament sind wir dauernd am Denken, Diskutieren und Verhandeln. Wenn ich Distanz brauche und mich selber wieder finden will, dann ist Heavy Metall perfekt für mich.

Christian Levrat guckt immer wieder auf den grossen Bildschirm in der Cafeteria, um zu sehen, ob er wieder in den Nationalratssaal hinein muss. Dann schaut er in Richtung Bar, ob sein Cola langsam kommt, auf das er noch immer wartet.

Nill: Welches Geschäft behandelt der Nationalrat im Moment?
Levrat: Wir beraten zurzeit das Raumplanungsgesetz.

Nill: Wichtig für Sie?
Levrat: Ja, ziemlich. Wir haben ein wohnungspolitisches Problem. In den Agglomerationen sind die Wohnkosten in den letzten zehn Jahren um 60 Prozent gestiegen. Es entstehen immer mehr Ghettos.


Ein heikles Wort

Nill: «Ghettos»?
Levrat: Ghettos für Reiche und sehr Reiche. Ähnlich dem Seefeld in Zürich.

Nill: Das gehört ja noch nicht zur Agglomeration. Was meinen Sie mit «Ghetto»?
Levrat: Orte, wo die soziale Durchmischung nicht mehr funktioniert. Diese Durchmischung ist ein wesentlicher Vorteil der Schweiz gewesen.

Nill: Weshalb?
Levrat: Weil man so auch Verständnis für andere Positionen entwickeln kann. Wenn man einerseits Ghettos für tiefe Einkommen hat und andererseits Ghettos für sehr Reiche, oder wenn die Leute nicht mehr in denselben Lokalen verkehren, entfernen sich die Bevölkerungsgruppen immer mehr.

Nill: Denken Sie, man darf den Begriff «Ghetto» heute völlig unbedenklich für alles Mögliche benutzen? Immerhin ist er historisch sehr belastet. (Im Warschauer Ghetto sperrten die Nationalsozialisten ab 1940 die Juden, bevor sie in die Tötungsmaschinerie der Konzentrationslager geschickt wurden, Red.)
Levrat: Ja, der Begriff Ghetto ist historisch behaftet. Er beschreibt aber eine Realität, die heute leider in vielen Ländern zutrifft. Gehen Sie in die grossen Banlieus in Frankreich, das sind richtige Ghettos. Deshalb spreche ich von drohenden Ghettos. In der Schweiz droht eine ähnliche Entwicklung.

Nill: Diese Veränderung in der Bevölkerungsstruktur, die Sie angesprochen haben, – hat das auch mit dem Erfolg urbaner Städte zu tun?
Levrat: Ja, natürlich. Das ist der Preis des wirtschaftlichen Erfolges. Das zieht die Bevölkerung aus anderen Kantonen an – und Menschen aus dem Ausland.

Nill: Ist das Ihrer Ansicht nach gut oder schlecht?
Levrat: Unsere Wirtschaft braucht das. Das Wirtschaftswachstum ist grundsätzlich notwendig, um unsere Sozialversicherungen zu bezahlen. Um auch in Zukunft eine vernünftige Lebensqualität zu haben.

Nill: Am nächsten Wochenende werden in der Schweiz die National- und Ständeräte gewählt. Fotograf Mischa Scherrer und ich würden gerne wissen, weshalb wir gerade für die SP stimmen sollten.
Levrat: Wenn Sie der Meinung sind, das Hauptproblem der Schweiz ist es, Minarette zu verbieten, dann sollten Sie SVP wählen. Wenn Sie aber der Meinung sind, dass man in den Bereichen Gesundheit, Wohnen und Energie handeln sollte, dann müssen Sie uns wählen.

Nill: Sowohl Fotograf Scherrer wie auch ich sind selbständig und tragen dafür auch das volle unternehmerische Risiko. Wir wünschten uns regelmässig eine weniger drückende Abgabe- und Steuerlast.
Levrat: Ich komme aus einer Gewerblerfamilie. Diese Gedanken sind mir bewusst. Ich glaube, die Rahmenbedingungen in der Schweiz sind gut, verglichen mit England oder den USA. Und dort, wo die Rahmenbedingungen vereinfacht werden können, sollen sie vereinfacht werden. Wenn Sie ein Unternehmen haben, das eine normale Rendite einfährt...

Nill: Was ist eine «normale» Rendite?
Levrat: So zwischen 5 und 8 Prozent. Es hängt von der Branche ab. Bei der genannten Rendite ist die Belastung relativ gross. Das ist jedoch eine Folge der Strategie der bürgerlichen Mehrheit, die sehr hohen Renditen zu entlasten, also die mittleren und kleinen Unternehmen zu belasten. Wir sind überzeugt, dass man es umgekehrt machen muss.

Nill: Was die Linke immer verschweigt, ist, dass die grossen Unternehmen auch viel Steuern bezahlen.
Levrat: Sie bringen Steuern, ja, aber sie bezahlen auch deutlich weniger Steuern als sie im Ausland bezahlen müssten.


«Wo bleibt eigentlich mein Cola?»

Nill: Und deshalb wollen Sie die Steuern erhöhen?
Levrat: Nein, deshalb wollen wir eine andere Verteilung. Wir sind die einzigen, die beispielsweise gegen die Unternehmenssteuer II opponiert hatten. Wo bleibt eigentlich mein Cola?

Der Schreibende gibt Fotograf Scherrer ein Zeichen, sich nach dem Cola an der Bar zu erkundigen.

Scherrer: Was?
Nill (zeigt auf Levrat): Sein Cola ist noch nicht gekommen.
Levrat: Cola Zero.
Nill (zu Scherrer): Zero!
Scherrer: Verstanden.

Levrat: Ich glaube, es geht nicht um Steuererhöhung. Niemand hier will wirklich eine Erhöhung. Aber es geht um die Frage, wo entlastet wird. Weiterhin bei denen, die grosse Gewinne tätigen? Oder korrigieren wir das, sodass kleinere KMUs stärker berücksichtigt werden?

Nill: Das höre ich das erste Mal, dass sich die SP für KMUs einsetzt. Bislang hatte ich nie den Eindruck, dass Sie sich für KMU’s interessieren.
Levrat: Das ist ein falscher Eindruck. Wir haben mit der Cleantech-Initiative das Gegenteil bewiesen. Eine Volksinitiative, die verlangt, bis 2030 aus dem Atomstrom auszusteigen. Cleantech ist der Bereich, in dem man KMU-Förderung machen muss.

Nill: Na gut, da gehts Ihnen um den Atomausstieg, nicht um die KMUs. Die sind halt einfach zufälligerweise in diesem Cleantech-Segment tätig.
Levrat: Das ist ein wichtiges Segment. In diesen Branchen spielt sich die Zukunft ab.

Nill: Kommen wir zurück zur Abgabenlast.
Levrat: In der Frage der Mehrwertsteuer haben wir darauf geachtet, dass administrative Abläufe vereinfacht werden. Das hat Gewicht für die KMUs. Ich habe selber ein kleines Unternehmen für Beratungstätigkeiten. Wenns um die Mehrwertsteuer geht habe ich kein Problem mit dem Satz.

Levrat erhält endlich sein Cola und nimmt einen grossen Schluck.

Nill: Wie viele Angestellte haben Sie?
Levrat: Keine. Ich betreibe das Unternehmen allein.

Nill: Würde sich Ihre Meinung ändern, wenn Sie Angestellte hätten?
Levrat: Ich glaube nicht. Ich komme aus einer Gewerbefamilie und bin mit diesen Diskussionen aufgewachsen.


Der Sozialist aus der Gewerbefamilie

Nill: Nebst dem Vornamen verbindet uns dieser Umstand. Ich komme ebenfalls aus einer Gewerbefamilie. Meine Eltern führten eine erfolgreiche Holzofen-Bäckerei und hatten 20 Angestellte. Jedes Mal, wenn die Gewerkschaften mit einer neuen Forderung kamen wie mehr Ferien, mehr Lohn etc., ächzten meine Eltern. Man kann ja nicht einfach beliebig teurere Brötchen verkaufen. Die Marge, die sie hatten, wurde ständig kleiner. Gäbe es andere Möglichkeiten, KMUs zu unterstützen, als durch Steuererhöhungen für Grossunternehmen? Steuererhöhungen betreffen immer alle.
Levrat: Gerade der Ansatz der Gewerkschaften, die für ganze Branchen verhandelt und versucht, gleich lange Spiesse für alle zu schaffen...

Nill: ...die Spiesse einer Familienbäckerei und einer Grossbäckerei sind nie gleich...
Levrat: ... Dennoch: Dieser Gewerkschaftsansatz hilft Unternehmen, die kreativ und erfinderisch sind, die auch etwas leisten wollen. Was den Wettbewerb vermiest, sind Leute, die Lohndumping betreiben.

Nill: Zusammenfassend kann man also sagen: Sie sind für Wettbewerb und für die freie Marktwirtschaft.
Levrat: Wir sind der Meinung, dass Wettbewerb in gewissen Bereichen durchaus sinnvoll ist.

Nill: Hört, hört.
Levrat: In Bereichen wie dem Service Public ist Wettbewerb nicht sinnvoll. Dort muss der Markt so gelenkt werden, dass er dem öffentlichen Interesse entspricht. Damit wir schlussendlich eine Politik machen, die allen zugute kommt und nicht nur ein paar wenigen Privilegierten erlaubt, Rosinen zu picken.

Nill: Das ist zufälligerweise auch Ihr Wahlkampfmotto.
Levrat: Ja, für alle statt für wenige. Das hat hier logisch hineingepasst. Aber wir sind schon auch der Meinung, dass für Bäcker oder Garagisten der Markt spielen sollte.

Nill: Sie sagen, dass man lenkend eingreifen müsse. Das ist heute immer öfter der Fall: Der Staat greift ein, lenkt, reguliert. Stichwort Rauchverbot. Ein markanter Eingriff in die persönliche Freiheit, sowohl von Rauchern wie auch beispielsweise von Gastronomen. Besteht hier nicht die Gefahr, dass unsere Gesellschaft überreguliert und -reglementiert wird? Auf Kosten der Freiheit?
Levrat: Nein, diesen Eindruck habe ich nicht. Das Rauchverbot ist ein gutes Beispiel. Ich war nie ein vehementer Bekämpfer des Rauchens. Was Sie beschreiben, ist die Freiheit des Rauchers. Es gibt aber auch die Freiheit desjenigen, der nicht rauchen will. Beide müssen beachtet werden.

Nill: Indem man das Rauchen einfach komplett verbietet?
Levrat: Es braucht halt Spielregeln, um das Zusammenleben zu ermöglichen.

Nill: Das Rauchverbot war nur ein Beispiel. Es gibt weitere Tendenzen zur Überreglementierung.
Levrat: Ich habe einiges Verständnis für die kritischen Stimmen, die davor warnen, dass wir in einer Kultur der politischen Korrektheit unterzugehen drohen.

Nill: Dafür haben Sie Verständnis?
Levrat: Ja, dafür habe ich Verständnis.


Wider die Verbotskultur

Nill: Was heisst das jetzt?
Levrat: Heute beginnt man, überall dort, wo es ein Problem gibt, Gesetze zu machen. Zum Beispiel bei der Kleinkriminalität. Nach jedem Blick-Artikel habe ich den Eindruck, dass zig Kollegen von mir Motionen einreichen, um irgendetwas verbieten zu lassen. Einmal sind es Killergames, dann soll man das Jugendschutzalter erhöhen... Hauptsache, etwas verbieten. Da müssen wir aufpassen.

Nill: Neigen Politiker dazu, aktionistisch zu sein?
Levrat: Ja, vor allem in Sicherheitsfragen.

Nill: Na ja, das ist halt auch kein SP-Thema. Klar dass Sie da den Kollegen Aktionismus vorwerfen...
Levrat: Nein, nein...

Nill: ...weil Sie damit den Gegner angreifen können.
Levrat: Nein, das trifft auch auf linke Regierungen zu. Irgendwo gibt es einen Zwischenfall, es folgt der öffentliche Aufschrei – und dann muss sofort etwas verboten werden. Hunde zum Beispiel.

Nill: Hunde?
Levrat: Kampfhunde. Es passiert etwas, die Bevölkerung ist entsetzt, es gibt eine Blick-Petition, die ein sofortiges Kampfhundeverbot fordert. Wir bekommen Hunderte von Briefen von Leuten, die Kampfhunde verbieten wollen.

Nill: Sie profitieren als Politiker ja genauso von solchen «Zwischenfällen», wie Sie es genannt haben. Zum Beispiel bei der Katastrophe von Fukushima. Da schlagen Sie sofort politisches Kapital daraus.
Levrat: Nein, nein, das hat schon eine andere Dimension.

Nill: Wenn es Sie betrifft, ist es etwas Anderes?
Levrat: Nein. Bei diesem Beispiel handelt es sich um eine gesellschaftliche Frage. Es geht nicht darum, an einem neuen, kleinen Gesetz zu basteln. Es ist ein Gesellschaftsentscheid: Will man weiterhin mit der billigen Atomenergie und den damit verbundenen hohen Risiken leben? Oder nimmt man eine etwas dezentralere Energieversorgung...

Nill: ... mit Importatomstrom aus Frankreich...
Levrat: ... in Kauf, die ganz andere Fragen stellt, von der Mobilität bis zur Bauwirtschaft. Fukushima spielt hier höchstens die Rolle eines Katalysators.

Ein Kollege von Levrat erscheint und fragt, wie lange er noch brauche. Levrat antwortet ihm, er komme gleich.


Das Spiel: Personencheck

Nill: Müssen Sie gehen?
Levrat: Ja.

Nill: Für immer? Oder kommen Sie wieder?
Levrat: Nein, ich gehe. Das reicht, oder?

Nill: Nein, noch lange nicht.
Levrat (lacht): Das ist mein längstes Interview seit langem!

Nill: Wir wollen ja etwas erfahren von Ihnen. Gut, zum Schluss noch ein kleines Spiel. Personencheck: Ich nenne einen Namen und Sie sagen, was Ihnen dazu einfällt.
Levrat: Ob ich die Person kenne, meinen Sie so?

Nill: In etwa. Alfred Escher.
Levrat: Ouuu... Das ist der Vater der Schweizer Eisenbahn. Einer der Urgrossväter des jetzigen Freisinns. Ich rate Pelli und seinen Leuten, sich etwas mehr an ihm zu orientieren und weniger an der Bahnhofstrasse.
Nill: Sind Sie der richtige, um Fulvio Pelli Ratschläge zu erteilen? Ich frage deshalb, weil Sie ihn vor nicht allzu langer Zeit der Lüge bezichtigt haben. Herrscht immer noch Zwist zwischen Ihnen?
Levrat: Nein, nein, wir haben es immer gut gehabt.

Nill: Quatsch, da flogen regelrecht die Fetzen. Herr Pelli wollte Sie sogar verklagen.
Levrat: Phhh... Das sind politische Schlagabtäusche.

Nill: Den andern als Lügner bezeichnen, ist ein politischer Schlagabtausch?
Levrat: Ja, in der Zwischenzeit hat er uns schon zweimal als Lügner bezeichnet. In der Politik ist es schon erlaubt, so etwas zu sagen.

Nill: Gilt das auch für Ihren Lieblingsfeind, die SVP?
Levrat: Ja, natürlich, Sie dürfen auch die Sachen beim Namen nennen. Wir haben vielleicht eine kleine «Ralley»...

Nill: Sie haben was?
Levrat: Un petit ralley. Einen kleinen Austausch von «Nettigkeiten»... Aber das gehört zur Politik, das darf man nicht überbewerten. Und wir sind beide lateinische Schweizer – wir tendieren zu etwas mehr Elan in Auseinandersetzungen als Deutschschweizer.

Nill: Schön gesagt. Sie hatten kürzlich noch so eine «Ralley» mit dem SVP-Bundesratskandidaten Jean-François Rime. Er nannte Sie einen Krieger, worauf Sie ihm rieten, einen Psychologen aufzusuchen.
Levrat: Es begann schon früher und nicht erst mit dem «Krieger». Er ist immer noch traumatisiert von der Blocher-Abwahl. Wenn er das in vier Jahren nicht gelöst hat...


Keine Vorliebe für Diktatoren

Nill: Vielleicht kommt die Antwort darauf auch erst bei den kommenden National- und Ständeratswahlen? Der Fussballweltmeister wird auch erst nach vier Jahren herausgefordert. Glauben Sie, dass eine Antwort noch folgen wird?
Levrat: Zur Abwahl von Blocher nicht. Die Antwort ist klar: Die Leute sind sehr zufrieden. Zumindest 70 Prozent der Leute.

Nill: Zurück zum Personencheck. Fidel Castro.
Levrat: Habe ich nie getroffen. Ich habe lange Flüchtlinge aus Kuba vertreten. Deshalb ist meine Vorliebe für Diktatoren aller Couleur klein.

Nill: Hugo Chavez.
Levrat: Gute Frage. Ich tendiere dazu, ihn in die gleiche Kiste zu stecken wie Castro.

Nill: Also ein Diktator.
Levrat: Aber meine Freunde, die Venezuela gut kennen, sagen mir, die Situation sei wesentlich anders. Vielleicht würde es sich lohnen, einmal dorthin zu reisen.

Nill: Viel Spass. Thibault.
Levrat: Thibault ist mein Sohn.

Nill: Sie haben drei Kinder. Wie geht es Thibault?
Levrat: Sehr gut. Er spielt Fussball.

Nill: Tanja Grandits.
Levrat: Kenne ich nicht.

Nill: Sie gehört zu den bekanntesten Köchen der Schweiz. Hoch dekorierte Chefköchin. Sie kocht im Stucki in Basel.
Levrat: Kenne ich nicht. Aber ich gratuliere ihr zu ihrem Erfolg.

Nill: Steve Jobs. (Das Gespräch wurde noch vor Steve Jobs Tod geführt, Red.)
Levrat: Er sei sehr krank und musste Apple verlassen.

Nill: Sie haben selber sein Handy.
Levrat: Von weitem betrachtet ist er ein industrielles Genie. Was er mit Apple gemacht hat, ist unglaublich.

Nill: Weshalb haben Sie ein iPhone?
Levrat: Es ist das praktischste aller Smartphones. Ich brauche eins, um alle meine Mails abzurufen und ins Internet zu gehen. Es ist das einfachste für Leute wie mich, die nicht Stunden damit verbringen wollen, um herauszufinden, wie es funktioniert.

Nill: Helvetia.
Levrat: Mutter Helvetia oder Helvetiaplatz in Zürich? (lacht)

Nill: Helvetia.
Levrat: Mutter Helvetia.

Nill: Und?
Levrat: Das ist eine Antwort, oder? (lacht)

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